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Krankenversicherung20. Oktober 2026· 6 Min. Lesezeit

GKV-Reform 2027: Wann sich die PKV lohnt – 3 Rechenbeispiele

Höhere Zuzahlungen, weniger Zahnersatz-Zuschuss: Drei Rechenbeispiele (ambulant, stationär, Kind) zeigen, wo die PKV nach der Reform wirklich besser ist.

Das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz wurde am 10. Juli 2026 von Bundestag und Bundesrat beschlossen. Ab dem 1. Januar 2027 steigen die Zuzahlungen: Für Arzneimittel zahlen Versicherte mindestens 7,50 und höchstens 15 Euro je Medikament, bei Heilmitteln wie Physiotherapie 10 Prozent plus 15 Euro je Verordnung, im Krankenhaus 15 Euro pro Tag. Der Festzuschuss für Zahnersatz sinkt auf 50 Prozent der Regelversorgung (mit Bonusheft 60 Prozent), Homöopathie ist keine Kassenleistung mehr, und der allgemeine Anspruch auf Hautkrebs-Screening ab 35 entfällt vorerst.

Ob die private Krankenversicherung dadurch zur besseren Wahl wird, hängt vom Tarif ab. Wir haben deshalb einen anonymisierten Fall durchgerechnet: ein 38-jähriger Angestellter mit Start zum 1. Januar 2027 und zwei Tarifstufen eines großen deutschen Anbieters – einem Komfort-Tarif (Tarif A) und einem Premium-Tarif (Tarif B), beide ohne Selbstbehalt. Der Bruttobeitrag inklusive Pflegepflichtversicherung, Wechseloption und Krankentagegeld liegt bei rund 673 Euro (Tarif A) beziehungsweise rund 767 Euro (Tarif B) im Monat. Nach dem Arbeitgeberzuschuss von 50 Prozent bleiben rund 336 Euro (Tarif A) beziehungsweise rund 383 Euro (Tarif B) Eigenkosten. In einem leistungsfreien Jahr kommen eine Pauschalerstattung von 600 Euro und eine erfolgsabhängige Beitragsrückerstattung von rund 940 Euro (Tarif A) beziehungsweise rund 1.110 Euro (Tarif B, geschätzt) hinzu – im besten Fall sinken die Eigenkosten damit auf rund 208 beziehungsweise rund 241 Euro im Monat. Beide Erstattungen sind nicht garantiert und entfallen, sobald Leistungen eingereicht werden (Vorsorge und Impfungen ausgenommen).

Beispiel 1 – ambulant

Rückenschmerzen mit Orthopäde, MRT, 12 Physiotherapie-Einheiten, drei verschreibungspflichtigen Medikamenten, Brille und Hautkrebs-Screening (Gesamtrechnung 1.685 Euro). Eigenanteil in der GKV ab 2027: 526 Euro. In Tarif A: 481 Euro – kaum besser, weil Heilmittel nur bis zu festen Höchstpreisen und Arzneimittel nur zu 80 Prozent erstattet werden. In Tarif B: 196 Euro, weil Heilmittel ohne Preisliste und Arzneimittel zu 100 Prozent erstattet werden und die Brille bis 300 Euro bezuschusst wird. Wichtig: Wer Leistungen einreicht, verliert die 600-Euro-Pauschale für das ganze Jahr (Vorsorge und Impfungen ausgenommen).

Beispiel 1 – Eigenanteil ambulant
PostenGKV ab 2027Tarif ATarif B
Hautkrebs-Screening55,00 €0,00 €0,00 €
Orthopäde0,00 €0,00 €0,00 €
MRT0,00 €0,00 €0,00 €
Physiotherapie (12 × 40 €)48,60 €213,12 €96,00 €
3 Medikamente22,50 €18,00 €0,00 €
Brille400,00 €250,00 €100,00 €
Summe526,10 €481,12 €196,00 €

Beispiel 2 – stationär

Kreuzband-OP mit fünf Tagen Krankenhaus. In der GKV zahlen Patienten 75 Euro Zuzahlung (vor der Reform 50 Euro) und liegen im Mehrbettzimmer beim Stationsarzt. Wer Zweibettzimmer und Chefarzt will, zahlt in der GKV rund 3.350 Euro zusätzlich – insgesamt 3.425 Euro. In beiden PKV-Tarifen beträgt der Eigenanteil 0 Euro, auch die Chefarztbehandlung ist eingeschlossen. Hier liegt der größte Vorteil der PKV.

Beispiel 2 – Eigenanteil stationär
PostenGKV ab 2027Tarif ATarif B
Zuzahlung (5 Tage)75,00 €0,00 €0,00 €
Zweibettzimmer-Zuschlag (nur Selbstzahler)550,00 €0,00 €0,00 €
Chefarzt (nur Selbstzahler)2.800,00 €0,00 €0,00 €
Summe Standard75,00 €0,00 €0,00 €
Summe mit Zweibettzimmer und Chefarzt3.425,00 €0,00 €0,00 €

Beispiel 3 – Kind (angenommen 6 Jahre)

Brille, Naturheilkunde mit 8 Sitzungen und eine Leisten-OP mit Begleitperson im Krankenhaus. In der GKV zahlen Eltern 740 Euro selbst, mit Chefarzt und Einbettzimmer 2.590 Euro. In Tarif A bleiben 317 Euro, in Tarif B 0 Euro. Der Vorteil ist real, aber das Kind kostet in der PKV einen eigenen Beitrag, während es in der GKV bei Familienversicherung beitragsfrei ist – und Kinder zahlen in der GKV keine Zuzahlungen. Bei Kieferorthopädie ist die GKV in den ersten Jahren oft im Vorteil, weil die PKV-Tarife die Zahnleistungen anfangs deckeln.

Beispiel 3 – Eigenanteil Kind
PostenGKV ab 2027Tarif ATarif B
Brille220,00 €130,00 €0,00 €
Naturheilkunde (8 Sitzungen)520,00 €187,20 €0,00 €
Krankenhaus Standard0,00 €0,00 €0,00 €
Chefarzt + Einbettzimmer1.850,00 € (nur Selbstzahler)0,00 €0,00 €
Summe Standard740,00 €317,20 €0,00 €
Summe mit Wahlleistung2.590,00 €317,20 €0,00 €

Fazit

Die PKV lohnt sich nach der Reform vor allem im Krankenhaus und – mit dem Premium-Tarif – auch ambulant. Der Komfort-Tarif ist ambulant kaum besser als die künftige GKV. Entscheidend sind Ihr Einkommen (Versicherungspflichtgrenze 2027 laut Kabinettsentwurf: 84.150 Euro Jahresbrutto), Ihre Familienplanung und der Beitrag im Alter. Wer zum 1. Januar 2027 wechseln will, sollte die Kündigungsfrist der Krankenkasse beachten, die in der Regel zwei volle Monate zum Monatsende beträgt.

Hinweis: Alle Preise und Mengen in den Beispielen sind frei gewählte Annahmen und keine Preislisten. Die Reform-Zahlen entsprechen dem Stand Oktober 2026 und sollten vor einer Entscheidung geprüft werden. Dieser Beitrag ist keine individuelle Beratung und keine Steuer- oder Rechtsberatung.

Was Sie jetzt tun sollten

  • Zuzahlungen ab 2027 mit Ihrem realen Bedarf durchrechnen, nicht mit Durchschnittswerten
  • Tarife nach Leistungsdetails vergleichen: Heilmittel-Höchstpreise, Arzneimittel-Quote, Überweisungspflicht
  • Beitrag im Alter, Familienplanung und Kündigungsfristen vor dem Wechsel klären

Häufige Fragen

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